Mostar Rock School – Growing from Music!

Mostar Rock School in concert im Musik-Center Pavarotti in Mostar April 2017 (Foto: Mostar Rock School)

Mostar Rock School in concert im Musik-Center Pavarotti in Mostar April 2017 (Foto: Mostar Rock School)

Die bosnisch-herzegowinische Stadt Mostar ist seit dem Ende des Balkankrieges zweigeteilt. Katholische und moslemische Kinder werden getrennt und unterschiedlich voneinander unterrichtet. Der Musiker Orhan Maslo will diese ethnische Trennung unterbinden und gründet „Mostar Rock School“, ein Ort, in dem Kinder gemeinsam Musik machen. Trotz des Erfolges hat er mit vielen Problemen zu kämpfen. Im Interview erzählt er, weshalb es sich lohnt, für dieses Projekt zu kämpfen und was er sich von der Zukunft erhofft.

Wie kamen Sie auf die Idee, eine Rock School zu gründen?
Ich lebte nach dem Balkankrieg in einem Kinderheim in Mostar, als die Organisation „Apeiron de Art“, eine Gemeinschaft lokaler Musiker, Kindern in Schulen Musikunterricht gab. Schon damals dachte ich, dass es wunderbar wäre, solch eine Institution zu gründen. So ist diese Idee aus Jugendträumen entstanden. Mithilfe eines Freundes habe ich 2001 „Growing from Music“ gegründet, dessen Name mein eigenes Leben beschrieb. 2011 lernte ich Kollegen von der holländischen Organisation „Musicians without Borders“ kennen, die eine Rock School im kosovarischen Mitrovica hatten. Ich fand die Schule super und so wurde im August 2012 Mostar Rock School gegründet, als sich acht Mädchen und Jungs zusammen mit vier Lehrern im Rock Camp in Skopje trafen. Bei ihrer Rückkehr haben diese jungen Musiker so viel positive Energie mit nach Mostar gebracht, dass wir im ersten Jahr um die 90 Anmeldungen hatten. Seitdem wächst die Zahl der Interessenten stetig.

„Unser Ziel ist es,

dass die Kinder sich

kennenlernen!“

Weshalb wollten Sie die Schule in Mostar eröffnen?
Hier bin ich geboren und ich will der Stadt was zurückgeben. Leider ist Mostar in den Medien immer wieder mit schlechten Nachrichten vertreten. Es ist Zeit, dass sich das Image der Stadt ändert. Sie ist seit dem Balkankrieg politisch geteilt und in Schulen wird Segregation vorangetrieben. Man sagt, die Kultur sei zehn Jahre der Politik voraus. So wollte ich kulturell was bewegen. Es war und ist unser Ziel, Kinder und Jugendliche von der Straße zu holen, damit sie sich kennenlernen und annähern. Das geht am besten, wenn sie gemeinsam etwas erschaffen und auf ihre Arbeit stolz sein können. Wir, die ältere Generation, sollten ihnen solch eine Plattform anbieten und sie in ihrem Tun unterstützen, damit sie Hoffnung haben und an eine gute Zukunft glauben können.

Wie konnten Sie die Eltern überzeugen, ihre Kinder in Ihre Musikschule zu schicken?
Dazu haben Kinder und Jugendliche selbst beigetragen. Es gab sicherlich Bedenken einiger Eltern, was auf die Medien und Politik zurück zu führen ist. Andererseits wurde ich Zeuge, wie genau diese Eltern Seite an Seite eine wundervolle Zeit auf den Konzerten ihrer Kinder verbrachten.

Weltweit hören Menschen den Talenten zu: Auftritt beim Red Bull Cliff Diving in Mostar (Foto: Mostar Rock School)

Weltweit hören Menschen den Talenten zu: Auftritt beim Red Bull Cliff Diving in Mostar (Foto: Mostar Rock School)

Was sind die größten Probleme, mit denen Sie zu kämpfen haben?
Die Faulheit kann der größte Feind des Menschen sein. Und das trifft leider auf den ganzen Balkan zu. Der Großteil der Bevölkerung ist vom politischen System und der Regierung enttäuscht. Sie glauben weder an sich noch an ihre Stimme. So legen sie ihren Kindern nahe, so schnell wie möglich die Schule zu beenden und das Land zu verlassen, um sich im Ausland eine bessere Zukunft zu sichern. Desinteresse steht im Vordergrund. Das ruft die lethargische Faulheit hervor, welche diese Unmenschen nutzen, die sich Politiker nennen und wie im 18. Jahrhundert herrschen! Die Ungebildeten besiegen die Gebildeten. Das ist ein ernst zu nehmendes Problem.

Weshalb haben Sie nicht aufgegeben, als die finanzielle Unterstützung fehlte?

Wer würde es schon übers Herz bringen, hunderte Kinder auf die Straße zu setzen? Und ja, es gibt auch solche Menschen. In der heutigen Welt herrscht der Kapitalismus und die Priorität liegt bei den meisten zuerst bei sich selbst. Doch wir haben jahrelang Gutes gesät und haben gehofft, dass es Früchte tragen würde. Wir haben nicht aufgegeben und es hat sich gelohnt.

Vom wem erhalten Sie aktuell die größte Unterstützung?
Dank der schwedischen SIDA (Behörde für internationale Entwicklungszusammenarbeit) und USAID ist unsere Existenz bis 2020 gesichert. Auch hat die Stadt Mostar ab 2017 die Kosten der Miete unserer Räumlichkeiten übernommen.

Weshalb denken Sie, dass Musik verbindet und eine ethnische Teilung auf dem Balkan unterbindet?
Ich muss Sie verbessern: Moderne urbane Musik verbindet. Es gibt leider Musik auf dem Balkan, wie Turbofolk zum Bespiel, die Sexismus und Nationalismus verbreitet. Gute Musik allerdings betrügt und lügt nicht. Du kannst alles spüren. Deswegen wird sie auch als universelle Sprache verstanden und auch so eingesetzt.

„Politik kann unsere

unsere Liebe

nicht ausrotten!“

Wann haben Sie erkannt, dass diese Schule was bewegt?
Im Musik Camp 2016 nahmen Kinder und Jugendliche aus 18 bosnisch-herzegowinischen Städten teil. Die meisten davon aus kleinen Orten, an der Grenze zwischen der Föderation und der Republika Srpska gelegen. Also Orte, wo nicht in Jugend und Kindheit investiert wird. Wir haben bemerkt, wie viel ihnen unsere Schule bedeutet. Das sagt schon alles über den Erfolg des Projekts aus. Die Politik kann gar nicht so viel Hass säen, um unsere Liebe, die wir streuen, auszurotten!

Hat die Musikschule was in den Köpfen der Eltern bewegen können?
Ich hoffe es sehr. Die jungen Menschen sind engagiert und wissen, was sie wollen. Und seit sie bemerkt haben, dass ihre Träume wahr werden, sind sie umso motivierter. Die Eltern können viel von ihren Kindern lernen.

Ihr Wunsch für die Zukunft?

Dass das Volk klüger wird. Sonst wird es keine gesellschaftliche Evolution geben. Was den Wunsch in Bezug auf das Projekt anbetrifft: Mostar, die Stadt, die noch politisch zweigeteilt ist, soll Zentrum der Musik-Szene des Balkans werden!

 

 

 

 

Orhan „Oha“ Maslo, Jahrgang 1978, arbeitet seit 17 Jahren in der Musikindustrie. Der Musiker, Manager und Produzent spielte als Percussionist u.a. für Dubioza Kolektiv, Mostar Sevdah Reunion, Dutch Metropole Orchestra. Er lebt und arbeitet in Mostar. Musik ist für ihn die universelle Sprache, die Brücken baut.

Mehr unter www.mostarrockschool.org

Das Interview erschien im Magazin Danube Connects Ausgabe 01/2017 in deutscher und englischer Sprache.

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