Prokoško Jezero – Fast über den Wolken

Wenn man keine Höhenangst hat, ist dieser Punkt der Beste Ausblick auf den herzförmigen See Prokosko Jezero (Foto: Superb Adventures Tours)

Wenn man keine Höhenangst hat, ist dieser Punkt der beste Ausblick auf den herzförmigen See Prokosko Jezero (Foto: Superb Adventures Tours)

Superb Adventure Tours lud Balkanblogger ein, Prokoško Jezero, eines der schönsten Destinationen Bosnien-Herzegowinas, zu besuchen. 

„Wir fahren morgen zum Prokoško Jezero“, sagt Faruk Osmanović, Inhaber der Reiseagentur Superb Adventures Tours, als wir uns den immer wieder unvergesslichen Sonnenuntergang über Sarajevo ansehen. „Wann fahren wir los?“ Ich bin zwar kein begeisterter Frühaufsteher und habe auch keine Ahnung, wo sich dieser Gletschersee befindet, doch das ist egal. Ich fahre in meine geliebte Berge und nur das zählt. „Ist Dir zehn Uhr recht?“ Ich bin erstaunt. Faruk grinst: „Keine Angst, ich will Dich nicht aus dem Bett werfen, der Ausflug soll ja Spass machen!“

Almir, Elmedin und Faruk (v.l. n.r.) von Superb Adventures Tours (Foto: balkanblogger)

Almir, Elmedin und Faruk (v.l. n.r.) von Superb Adventures Tours (Foto: balkanblogger)

Ausgeschlafen holen mich am nächsten Morgen die Jungs ab. Amir und Elmedin, Freunde von Faruk, sprechen perfekt deutsch und sie nutzen die Gelegenheit, sich mit mir in meiner zweiten Muttersprache zu unterhalten. Elmedin hat die Sprache in der Schule gelernt und beherrscht sie perfekt, Almir war während der Krieges in Stuttgart und lernte sie in Deutschland. Faruk versteht immerhin ein bisschen deutsch. Sie erzählen mir, dass immer mehr Touristen das Land besuchen. Faruk begrüßt Gäste aus der ganzen Welt. Der studierte Veterinär hat, wie Elmedin, den gesamten Krieg in Sarajevo verbracht. Ich frage ihn, ob er Traumata davongetragen habe. Er verneint. „Es ist nun passiert, ändern kann ich es nicht. Doch ich will weitergehen. Ich habe nicht das Land nach dem Krieg verlassen, wie viele es tun. Ich wollte hier bleiben und mir ein Leben aufbauen. Dem Land ist nicht geholfen, wenn alle abhauen. So kam ich auf die Idee, eine Reiseagentur zu gründen. Den Gästen die Schönheit unseres Landes zeigen – diesen Traum habe ich mir erfüllt und lebe ihn tagtäglich.“

Immer gut drauf, der den Humor Bosnien-Herzegowinas perfekt beherrscht: Faruk Osmanovic (Foto: balkanblogger)

Wir fahren mit seinem SUV Richtung Kiseljak. Gut zwei Stunden dauert die etwa 80 Kilometer lange Fahrt ohne Pausen. Natürlich machen wir einen Kahva-Stop. Es gibt keinen Stress in Bosnien-Herzegowina. Das ist angenehm – sehr angenehm. Sogar das Wetter meint es gut mit uns. Während des Starts hat es geregnet. „Das wird schon wieder“, erklärt mir Faruk, „normales Phänomen in Sarajevo ab September. Es ist neblig und gibt Nieselregen, später verschwinden die Wolken.“ Und so ist es auch. Bald sind die Wolken weg und die Sonne scheint warm auf uns hinab. Daher ist es immer gut, die Zwiebelschalen-Technik ab dem Spätsommer anzuwenden. Das Tshirt sollte dabei nicht vergessen werden.

In diesem Ofen wird Holzkohle hergestellt (Video: Balkanblogger)

Es geht über ein kleines Stück Autobahn und danach die Landstrasse. Wir lachen und essen das panierte Brot meiner Mami, das sie uns mitgegeben hat. Bald erreichen wir das Massiv Vranica. Es geht einen Schotterweg hinauf. Rechts säumen ihn Wälder und Weiden, auf denen Kühe grasen, links geht es steil runter. Manchmal ist der Blick frei. Berge so weit das Auge reicht. Immer wenn ich stop rufe, machen wir kurz eine Pause, damit ich den Ausblick geniessen und auf einem Foto festhalten kann. Die Jungs sind geduldig und freuen sich über meine Begeisterung. Immer wieder kommen wir an „Picnic“-Punkten vorbei, die sich an wunderschönen Stellen im Wald befinden.

Unendliche Weite – Das Massiv Vranica (Foto: Balkanblogger)

„Und jetzt bereite Dich auf den Ausblick vor!“ Faruk hält den Wagen an und lässt mich alleine aussteigen. „Laufe vor zu dem Felsen, aber sei vorsichtig, dass Du nicht abrutscht!“ Ich tue, was mir gesagt wird. Schnell halte ich den Atem an! Ich habe schon viele Ausblicke gesehen und irgendwann denkt man, dass keiner mehr zu überbieten wäre. Falsch gedacht, denke ich, und bin dankbar dafür.

Von diesem Felsen aus bekommt den ersten Blick auf den Gletschersee (Foto: Superb Adventures Tours)

Vor mir eröffnet sich der Ausblick auf den See, umgeben von kleinen Holzhütten. Natürlich sind wir nicht allein. Zwei weitere SUV halten an und arabische Touristen steigen aus und wollen fotografieren. Sie sind höflich und warten, bis ich meine Fotos gemacht habe. Noch verstehe ich kein arabisch, aber die leuchtenden dunklen Augen und ihr Lächeln im Gesicht verraten ihre Begeisterung. „Komm, lass uns runter zum See fahren. Auf dem Rückweg können wir noch ein Paar Fotos machen.“ Wir fahren runter zum Dorf. Die Hütten dienten ursprünglich als Unterkünfte für Schafhirten und Waldbeersammlern. Auch heute haben sie teilweise ihre Funktion beibehalten, der Großteil wird für touristische Zwecke genutzt. Als Unterkünfte oder Restaurants.

Foto: Balkanblogger

Das Wasser des Sees ist klar. Es ist kälter da oben. Etwa 16 Grad Celsius. Die Zwiebelschalen-Technik erweist sich wieder als nützlich. Ich laufe zwischen den Hütten. Aus einigen kommt der feine Geruch von typischen Gerichten wie Pita oder Burek. Vor anderen werden fleissig Fleischspiesse gegrillt. Der Großteil der Touristen sind Araber, die eine große Freude am Ausflug haben. Einige spielen, auf einer Picnic-Decke sitzend, Karten direkt am Ufer, ein kleiner Junge reitet ein Pferd. Frauen gehen am See entlang spazieren. Es ist sehr ruhig und doch gesellig. Alles ist entspannt. Die arabischen Frauen lächeln mir zu, als sie an mir vorbeilaufen. „Die arabischen Gäste interessieren sich nicht für unsere Moscheen. Sie wollen nur in die Natur – Seen, Berge und Wälder finden sie toll“, erzählt uns einer der Hüttenbesitzer. Davon haben wir genug in Bosnien-Herzegowina und weshalb sollen wir ihnen nicht damit eine Freude bereiten?

Foto: Balkanblogger

„Wir fahren jetzt rauf zu Spitze und wenn wir zurück kommen, ist unser Mittagessen fertig.“ Faruk reibt sich die Hände. „Ich habe Zeljanica bestellt (Blätterteig gefüllt mit Spinat und Käse).“ Perfekt! Hunger habe ich keinen, aber die Vorfreude auf die Rückkehr ist garantiert! Die Damen machen das Essen auf Bestellung frisch und timen die Zubereitung so, dass der Besucher sie dampfend heiss serviert bekommt.

Nur mit einem SUV kommt man voran (Foto: Balkanblogger)

„Weshalb fahren wir rauf? Wieso gehen wir nicht zu Fuß?“ Ich will eigentlich laufen. „Es sieht ganz danach aus, dass bald der Nebel kommt. So fahren wir einen Teil der Strecke rauf und das letzte Stück wirst Du laufen können. Keine Sorge!“ Es geht im Schritttempo nach oben. Das Lenkrad des SUV’s mit Sonderausstattung hat nun Almir übernommen. Geschickt lenkt er den Wagen über Geröll und Wasserstellen. Ich habe Zeit, mir die Natur anzusehen und auf mich wirken zu lassen. Weite freie Flächen in allen Farben des sich ankündigenden Herbstes. Es wird kälter.

Foto: Balkanblogger

In 1900 Meter Höhe halten wir an. Jetzt geht es weiter zu Fuß. „Soll ich meine Wanderstiefel anziehen?“ Der Weg scheint auf den ersten Augenblick nicht sehr schwierig zu sein. „Besser wär’s“, erklärt Elmedin. „Wir werden noch ein bisschen klettern müssen.“ Nach etwa einer Stunde gechillten Spaziergangs kommen wir auf eine Anhöhe, die nicht spektakulär aussieht. „So und nun laufe vor und geniesse.“ Ich laufe, sehe und staune. Vor meinen Augen eröffnet sich der Gletschersee in seiner vollen Pracht und aus dieser Höhe erkennt man seine Form: ein Herz!

Foto: Balkanblogger

„Komm mit, wir kraxeln diese Felsformation hoch, dann hast Du den besten Blick!“ Almir ist schon längst oben. Natürlich ist keine Sicherung vorhanden, nur pure Natur. Jetzt bin ich für meine Wanderstiefel dankbar. Ein älterer Mann und seine Frau sind auch da. „Mädchen, steige besser nicht da rauf, das könnte gefährlich  werden“, ruft er zu mir rüber. Seine Frau wartet unten auf der Plattform. Es fällt mir gar nicht ein, aufzugeben. Jetzt bin ich schon so weit gekommen, natürlich werde ich versuchen, da rauf zu klettern! „Gib mir Deine Hand und zieh mich rauf“, fordere ich Almir auf. „Sie ist wirklich hartnäckig!“ Elmedin und Faruk freuen sich und passen auf mich auf. Ich fühle mich sicher und überwinde die Angst, abstürzen zu können. Abgesehen davon – weit fallen würde ich von dieser Seite her sowieso nicht.

Almir auf der Felsformation, von der man den besten Ausblick auf den Gletschersee hat (Foto: Superb Adventures Tours)

Oben angekommen überlassen mir die Jungs den besten Platz. Ich sitze nun da und schaue auf dem See und die Holzhütten, die von hier aus so klein erscheinen. Vorne geht es steil runter. Ich habe keine Höhenangst, daher macht es mir nichts aus. Wir sitzen hier eine Ewigkeit. Erst schweigend und später lachend.

Mystische Stimmung dank Nebel (Foto: balkanblogger)

Faruk sollte recht behalten. Ganz schnell kommt der Nebel und legt sich über den See. Es wirkt magisch und man hat das Gefühl, man säße in den Wolken und blickt runter auf diesen unglaublich schönen Fleckchen Erde, wie es die Natur geformt hat. Doch wir müssen wieder zurück.

Foto: Balkanblogger

Hungrig kommen wir im Dorf an. Der Nebel hat sich schon übers Dorf gelegt. Es ist auch kälter geworden. Wir essen drinnen in der Hütte. „Eure Pita ist ja schon fast kalt! Ihr wart länger weg!“ Die Dame der Hütte bringt ein Blech mit frischer Pita zu unserem Tisch. Se riecht hervorragend! Dazu reicht sie Trinkjoghurt und Kahva. Das Mahl ist genau richtig von der Temperatur her – nicht zu heiss und nicht zu kalt. Wir stürzen uns hungrig darauf und reissen die Stücke mit der Hand. Ohne Besteck zu essen tut so gut in den Bergen! Gemeinsames Essen aus einem Topf oder Blech stärkt die Gemeinschaft. Man hat keine Berührungsängste und teilt die Speise untereinander. „Das letzte Stück gehört Dir.“ Lass ich mir nicht zwei Mal sagen. Für vier Personen kostet dieser Genuss etwa 20 € insgesamt.

„Wir sagen einfach, Du hättest sie selbst gemacht.“ Almir und Elmedin mit der frischen Zeljanica (Foto: Balkanblogger)

Wir fahren zurück nach Sarajevo, bevor es dunkel und zu neblig wird. Von der Felsformation konnte ich keine Fotos mehr machen. es war schon zu neblig und ich hatte keinen Blick mehr auf den See. Während der Fahrt machen wir Pläne für unsere nächsten Ausflüge. Prokosko Jezero war nur der Anfang, den es meines Erachtens schwer zu toppen sein wird. „Ich habe Dir gesagt, dass ich Dich zu einen der schönsten Plätze Bosnien-Herzegowinas bringen werde“, lacht Faruk. „Und es gibt viele davon, die von Dir entdeckt werden wollen.“

Foto: Superb Adventures Tours

In Deutschland angekommen, schickt mir Faruk die Fotos zu. Er hatte seine Drohne dabei, um ein Video zu drehen. Ein paar Screeshots befinden sich unter den Fotos. Wahnsinnige Motive. Darunter auch ein Foto von der Felsformation, von der aus man den ersten Blick über den See hat. Erst jetzt merke ich, wie gewaltig die Natur auf diesem Fleckchen Erde ist. Ich bin dankbar, dass ich sie fühlen und kennenlernen durfte. Und freue mich schon auf die nächsten Ausflüge. Bosnien-Herzegowina will entdeckt und kennengelernt werden. Das mach ich gerne.

Foto: Balkanblogger

 

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