Skizzen aus Slawonien – eine Bildreise durch den Osten Kroatiens

Unendliche und mystische Nebelfelder über Moorgebieten sind bezeichnend für Slawonien (Foto: Damir Rajle)

Unendliche und mystische Nebelfelder über Moorgebieten sind bezeichnend für Slawonien (Foto: Damir Rajle)

„Manche sagen im Spaß, dass man, wenn man sich auf einen etwas größeren Kürbis stellt, ganz Slawonien sehen könne.“ Dieser Spruch, mit dem das neu erschienene Buch „Skizzen aus Slawonien“ von Damir Rajle anfängt, war mir nicht bekannt. Doch er gefällt mir gut. Vielleicht ist er auch gar nicht so surreal, denn die Erde in Slawonien ist so fruchtbar, dass ein Kürbis auch zu solch einer Größe anwachsen könnte. Das ist natürlich etwas übertrieben, doch das mit der fruchtbaren Erde ist wahr. Nicht umsonst wird die Region im Osten Kroatiens als die Kornkammer des Landes bezeichnet.

Beim Blättern der Seiten wurden meine Kindheitserinnerungen aus der Tiefe hervorgeholt. Ein Teil meiner Familie kommt aus Slawonien, das an Bosnien, Serbien und Ungarn grenzt. So machten wir  auf unserer Reise nach Bosnien-Herzegowina immer Halt in Pozega, der Stadt, aus der meine Großmutter Helena stammt. Was freute ich mich, meine Verwandten zu sehen, die uns schon sehnsüchtig um ihren reich gedeckten Tisch erwarteten und unsere Teller und Gläser mit selbst Gemachtem füllten! Die Slawonen sind für ihre Kulinarik berühmt. Aufgrund der jahrhundertealten Geschichte sind osmanische, bosnische, deutsche, ungarische, österreichische, italienische, tschechische und jüdische Einflüsse in ihrer Küche und Kultur anzutreffen.

Die Hände erzählen vom harten Landleben in Slawonien (Foto: Damir Rajle)

Die Hände erzählen vom harten Landleben in Slawonien (Foto: Damir Rajle)

Ich liebte die Süßspeisen, sowie die selbstgemachten Würste und Schinken. Es war normal, einen kleinen Stall neben seinem Häuschen zu haben. Als Kind fütterte ich zusammen mit meinen Cousins und Cousinen Ferkel, Hühner und Enten. Hinter dem Haus gab es noch einen großen und bunten Gemüsegarten, wo wir in den Ferien Kartoffeln und Karotten ernteten. Nach getaner Arbeit ging es wieder zur Tante in die Küche, wo sie uns freudig erwartete und mit Kuchen belohnte. Was war es schön, in den mit Erde beschmutzen Händen das noch dampfend warme Gebäck zu halten. Dabei fällt es mir schwer, das Wort „beschmutzt“ zu benutzen. Es hört sich so negativ an. Dieser Geruch der fruchtbaren und feuchten Erde bleibt in schöner Erinnerung. Genauso die starken, von Hofarbeit gezeichneten Hände meiner Verwandten. Da packten alle an. Ihre Arbeit war hart. Und dennoch, sie waren immer gut gelaunt und sangen zu jeder Gelegenheit.

Noch heute beschäftigt sich ein Teil meiner slawonischen Familie mit Landarbeit. Meine Cousins und Cousinen führen eher ein modernes Leben. Doch sie helfen auf den Felder ihrer Eltern mit. Nun bin ich alt genug und darf die selbstgemachten Weine, Rakija und Liköre kosten. Geplant ist, dass ich bei der nächsten Traubenernte mit dabei bin und selbst meinen Wein herstellen darf. Ist das nicht ein wunderbares Geschenk?

Trotz klirrender Kälte ist die Winterlandschaft einen Spaziergang wert (Foto: Damir Rajle)

Trotz klirrender Kälte ist die Winterlandschaft einen Spaziergang wert (Foto: Damir Rajle)

Slawonien bietet nicht nur eine hervorragende Kulinarik. Hier kann man ursprüngliche von Flüssen durchzogene Naturlandschaften erleben, wie das Sumpfgebiet Kopacki Rit oder die Wälder des Papuk, sowie lebendiges Treiben in Städten und Dörfern.

Nun ist ein grossformatiger Bildband mit einzigartigen Fotografien dieser Gegend erschienen. Der aus Slawonien stammende Damir Rajle zeigt in „Skizzen aus Slawonien“ seine persönliche Sicht der Heimatregion. Der 1970 in Osijek geborene Slawonier arbeitet seit 2000 als professioneller Fotograf. Thomas Zehender, Verleger bei danube books in Ulm, sah seine Fotografien zum ersten Mal bei einer Ausstellung im Donauschwäbischen Zentralmuseum anlässlich einer Länderschwerpunkt-Veranstaltung zum EU-Beitritt Kroatiens im Jahre 2013. „Die einfühlsame Bildsprache und die Motive abseits herkömmlicher Fotobände oder Reiseführer haben mich sofort angesprochen“, erzählt der Ulmer Verleger. Dem Betrachter eröffnen sich wunderbare Fotografien von Mensch, Tier, Natur und ihrer Beziehung zueinander. Schwäne in der Winterlandschaft, unendliche Weiten, über denen der Nebel hängt, stille Wälder, von Sonnenstrahlen durchleuchtet.  In all dieser Schönheit trifft man auf Menschen der Region, die eine Symbiose mit ihrer Umwelt eingegangen sind, eine Art individueller Anpassung ohne sich selbst dabei verloren zu haben.

Damir Rajle

Damir Rajle

Seit 4. Februar 2016 ist das 116 Seiten starke Werk im Buchhandel erhältlich. Der Bildband ist eine Liebeserklärung an Slawonien seitens des Fotografen. Begleitet werden die Fotografien von poetischen Texten in deutscher, kroatischer und englischer Sprache von Damir Rajles Frau Lorna. Mit der Mehrsprachigkeit greift der danube books Verlag seinen Slogan „grenzenlos europäisch“ auf.

Zum Buch


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Damir Rajle: Skizzen aus Slawonien | Skice Slavonije | Sketches of Slavonia.
Gebundenes Buch, Hardcover, Fadenheftung, Format 297 x 297 mm, hochwertiger Druck.
116 Seiten mit ca. 80 Abbildungen (farbig und schwarz-weiß). Begleitende Texte von Lorna Rajle in deutscher, kroatischer und englischer Sprache.

ISBN 978-3-946046-02-8

28,00 EUR gebundener Ladenpreis (D) inkl. 7 % MwSt.

Website mit weiteren Infos: http://www.danube-books.eu/skizzen-aus-slawonien

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1 Antwort

  1. 12. Februar 2016

    […] Balkanblogger Mirella Sidro in ihrer Rezension […]

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