Danko Rabrenović: "Herzlich Willkommenčić!"

Balkan ist ein Teil von Europa, der auf seine Art und Weise tickt. Das fängt schon beim Fluchen an, wie uns Danko „Der Balkanizer“ Rabrenović vor etwa fünf Jahren in seinem ersten Buch „Der Balkanizer: Ein Jugo in Deutschland“ erklärt hat: „Auf dem Balkan wird genital- und in Deutschland analfixiert geschimpft.“ Nun erschien sein neues Buch. „Herzlich Willkommenčić“ in seine Welt! Danko erzählt seine Version der Heimatgeschichte, die so vielseitig ist, wie der Balkan selbst. „Der Balkan ist eine schwere Kost. Irgendwie will keiner mit der Gegend etwas zu tun haben. Sie gilt als wild, chaotisch, barbarisch, primitiv, schmutzig, verrückt und gefährlich zugleich. Vielleicht hat sie aber gerade deswegen schon immer einen großen Reiz ausgeübt“, schreibt Rabrenović. Der Musiker, Autor und Radiomoderator beschreibt die Einzigartigkeit dieses Teils von Europa, die ihm erst auffiel, als er ihn verließ. „Erst hier im Exil habe ich verstanden, woher ich komme und meine alte Heimat war. Ich habe meine kulturelle Identität mit meinem Alltag in Deutschland verschmolzen.“ Der Sohn einer Kroatin und eines Serben wollte sich nach dem Ausbruch des Krieges weder als das eine noch andere deklarieren. Mit 22 Jahren musste er seine Heimat Jugoslawien verlassen und landete bei seiner Tante in Düsseldorf. Er erzählt über den schwierigen Alltag in der neuen Heimat, dessen Ausländerbehörde ihn am liebsten wieder aus dem Land schaffen wollte. Es was schwer für ihn zu akzeptieren, dass der Vielvölkerstaat Jugoslawien gescheitert ist, doch er nimmt es hin. Was er nicht hinnehmen kann, dass dieser Krieg nicht verhindert wurde. Mit den Jugo-Nostalgikern kann er bis heute nichts anfangen: „Ich wollte nach vorne schauen und nicht nach hinten… Und so kam völlig unerwartet wieder der Balkan in mein Leben“, erklärt er in seiner neuen Biografie. Der Balkanizer, der Heimat nicht als Koordinate, sondern als ein Gefühl empfindet, erklärt uns ins in seinem neuen Werk, WESHALB

  • auf dem Balkan das Leben Spass machen muss,
  • das Anschnallen in Belgrad Unglück bringt,
  • in Deutschland laut Gesetz ab vier Kindern keine Kindersitze im Taxi benötigt werden,
  • man eine Maus ficken muss, um ein Kind süß zu finden,
  • die schönsten Frauen aus dem Balkan kommen,
  • mit „unten“ der Balkan gemeint ist,
  • „unten“ alles besser schmeckt,
  • auf dem Balkan alles „kein Problem“ ist,
  • auf dem Balkan mit „Kaffeetrinken“ nicht immer „Kaffeetrinken“ gemeint ist,
  • es keine Privatsphäre auf dem Balkan gibt,
  • Domian auf dem Balkan nicht funktionieren würde,
  • die meisten Ex-Jugos keine Haftpflichtversicherung haben,
  • man gebildet sein muss, um witzig zu sein.

Aus dem Balkan stammende Leser werden sich mit der einen oder anderen Geschichte identifizieren und Parallelität in der eigenen Biografie finden können. Die deutschen Leser bekommen einen Überblick über kulturelle Unterschiede, die sich gegenseitig befruchten und durch Symbiose das Multikulturelle bereichern können. Durch das Zusammenschmelzen der kulturellen Reichhaltigkeit, welche in der Bundesrepublik herrscht, wird die Vielfalt der verschiedenen Kulturen festgesetzt und in die Gemeinschaft integriert. Er zeigt in seinem Buch auf, wie Fehlverhalten der Politik eine Chance für multikulturelles Nebeneinander zerstören können. Für den Autor hört sich der Begriff ‚Migrationshintergrund‘ nach einer Krankheit an. „Wenn man von Integration spricht, dann so, als sei sie „unsere“ Aufgabe. Sprich: eine Aufgabe der Menschen mit MH. Dabei wissen wir doch längst, dass Integration keine Einbahnstrasse ist, sie betrifft uns alle.“ Heute sind viele Menschen auf dieser Welt gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Meist ausgelöst durch einen Krieg aufgrund ethnischer Identität. So war es auch bei Danko Rabrenović vor mehr als zwanzig Jahren.

Danko Rabrenović (Foto: Dejan Sarić)

Danko Rabrenović (Foto: Dejan Sarić)

Sein Buch erschien zum perfekten Zeitpunkt. Soeben erreichen viele Flüchtlinge aus Kriegsgebieten Deutschland. Sie haben ihre Heimat und Leben mit schweren Herzen zurücklassen müssen. Und es wird ihnen nicht leicht gemacht seitens der Behörden und der selbst ernannten Patrioten Deutschlands.  „Das Land ist inzwischen kulturell so gefleckt wie das Fell des Leoparden.“ Flüchtlinge dürfen nicht als Belastung empfunden werden, sondern als weitere Flecken auf dem Fell des Leoparden. „Heimat ist überall da, wo ich „Herzlich Willkommenčić!“ bin“, sagt der Autor. Unsere neuen Bürger können auch wir herzlich willkommen heissen. Sie sind eine Bereicherung für unsere Gesellschaft. Danko Rabrenovic ist das lebende Beispiel dafür.

Lesungen unter www.trovaci.de

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.