Hatice Akyün: "Quotentürkin" mit schönen Beinen

Hatice Akyün im Bosporus-Dschungel

Hatice Akyün im Bosporus-Dschungel

„Einmal Hans mit scharfer Soße“ oder „Ali zum Dessert“? Die Duisburger Autorin Hatice Akyün hat mit ihren beiden Romanen für gute Laune in Deutschland gesorgt. In beiden Büchern erzählt sie mit viel Humor über Vorurteile und charmante Stolpersteine zwischen dem Balkan und Deutschland.

Nun erschien ihr drittes Buch „Ich küss Dich, Kismet – Eine Deutsche am Bosporus“. Auch dieses Mal ist ihr ein humorvolles und authentisches Werk gelungen, in dem sich zu meiner Freude die eine oder andere Balkan-Dame wiederfinden wird.

Ich küss Dich, Kismet

Ich küss Dich, Kismet

Die türkisch stämmige Journalistin hat die Schnauze voll. Als „Quotentürkin“ ist sie ein gern gesehener Gast bei Diskussionsrunden und Talkshows. Doch sie muss sich sehr viel negatives über ihre „Landsleute“ anhören und ihre Argumentation stoßen auf taube Ohren.

Da kommt ihr die von den Eltern geschenkte Wohnung in Istanbul gerade recht. Kismet! Sie beschließt, Deutschland zu verlassen, um in die Türkei, der Heimat ihrer Eltern, zu ziehen. Mit großen Erwartungen im Gepäck wird ihre Begeisterung bei der Ankunft schnell getrübt. Die Wohnung ist eine halbe Ruine und muss erst einmal renoviert werden. Leichter gesagt als getan. An deutsche Sitten gewöhnt, muss sie sich an die Zeitrechnung auf dem Balkan anpassen, denn schnell wird ihr klar: hier ticken die Uhren anders, falls überhaupt welche existieren.

Zum allen Übel muss sie sich den landestypischen Sitten, die für die Frauen gelten, anpassen. Das bedeutet in einer Metropole wie Istanbul: sich viel Zeit nehmen für das Äußere. Friseur, Maniküre, Enthaarung. Und Kaffee trinken mit Freundinnen, die viel Baklava essen können, ohne zuzunehmen und dabei noch sehr gut aussehen. Sport? Fehlanzeige! Und versuche ja nicht, in Istanbul joggen zu gehen!

An all das kann man sich gewöhnen. Doch was macht Frau, wenn sie ihrem Traumprinzen am Bosporus begegnet und sich in ihn verliebt? Auch da kann sie viel von ihren türkischen Freundinnen lernen.

Hatice Akyün hat hat es wieder geschafft, einen Roman zu schreiben, in dem sie liebevoll die Klischees des Balkan dem „Westen“ erklärt und Vorurteile aus dem Weg räumt.

Ich danke Hatice für dieses Buch! Ja, wir laufen „anders“ durch die Strassen, wenn wir in unserer Heimat sind und ja, wir haben den südländischen Temperament, der uns manchmal schneller wegen Kleinigkeiten aufbrausen lässt. Aber wir haben etwas, was den Balkan und seine Menschen so beliebt macht: ein Herz, das für Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit brennt. Und das tragen wir gerne in einem von Schönheitstreatments geplagten Körper. Wir lieben nun mal das Schöne.

Nachdem ich das Buch gelesen hatte, erinnerte ich mich an den ersten Besuch meines Mannes in Sarajevo. Als wir vor unserer Abreise den Koffer packten, kam er grinsend mit einer Camouflage-Hose um die Ecke und meinte, er würde sie sicherlich auf dem Balkan benötigen. Ich bat ihn, sich für seine erste Sightseeing-Tour durch Sarajevo etwas „schicker“ anzuziehen. Als ich mit meinem Outfit auftauchte, sah er mich kritisch an und fand es etwas übertrieben für einen einfachen Spaziergang. Schon nach einigen Metern durch die Strassen der bosnischen Hauptstadt sagte er: „Du weisst, ich liebe Dich sehr, aber so viele schöne und gepflegte Frauen auf einem Haufen habe ich nicht erwartet.“ Ein größeres Kompliment hätte er mir gar nicht in diesem Moment machen können.

Wer Hatice Akyün persönlich kennenlernen und mehr über ihr neues Buch erfahren möchte kann es bei einer ihrer Lesungen tun:

http://www.akyuen.de

„Ich küss Dich, Kismet“ ist bei Kiepenheuer&Witsch erschienen:

http://www.kiwi-verlag.de/buch/ich-kuess-dich-kismet/978-3-462-04568-0/

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