Macht Yoga zum Pflichtfach auf dem Balkan!

 

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Süchtig nach Yoga? Macht nix – schadet niemandem und es macht einen glücklich (Foto: Balkanblogger)

„Sie müssen Yoga machen“ sagte mir meine chinesische Ärztin, bei der ich gegen meine Schmerzen im Schulterbereich Akupunktur verabreicht bekam. ‚Eine Balkanesin und Yoga, ajajaj, das kann ja heiter werden‘, dachte ich mir. Ich erinnere mich, dass ich es tatsächlich mal in Erwägung gezogen hatte. Als ich mit Freunden beim Essen war, kam ich davon wieder ab. Am Nebentisch saßen Yoga praktizierende Hausfrauenmütterchen. Es war aus dem Grunde ersichtlich, weil die Yoga-Schule auf dem Tischschildchen zu lesen war und auf ihren Tellern nur vegetarischer Fraß serviert wurde. Die Damen sahen so was von abtörnend alternativ und bieder aus, dass mein Mann mich grinsend ansah und fragte: „Na, willst Du auch so einmal enden?“

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Ich habe mir eine leichte Matte besorgt, die ich überall mitnehmen kann … (Foto: Balkanblogger)

Nein, wollte ich natürlich nicht! Auch habe ich zu viel Balkan-Temperament im Blut und bin eitel von Natur aus. Ich dachte da eher an Bauchtanz oder Zumba. Aber meine Schulterschmerzen zwangen mich, den Versuch „Yoga“ zu starten.

Nun, Yogaschulen gibt es viele und es gibt auch viele Arten von Yoga. Per Internet fand ich ein Studio in Augsburg, das einiges versprach. Ich schickte eine Mail und die Antwort kam prompt. Im Grunde ganz nett, aber nach dem Lesen der Begrüßungs- und Abschiedsformel „Om namah Shivaya liebe Mirella und Om Shanty“ liess ich innerlich bosnischen Flüchen den freien Lauf.

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… auch auf weite Reisen. Es gibt nichts schöneres, als Yoga in der Natur! (Foto: Balkanblogger)

Die Übungsräume waren so, wie ich sie mir vorgestellt hatte: nett eingerichtet mit aufgestellten Buddha-Statuen und bunten Mandalas an den Wänden. Die deutsche Lehrerin nannte sich Raja (der Name wurde ihr vom Meister gegeben) und sie war die Ruhe in Person.

Die Aufwärmphase setzte sich zusammen aus gemeinsamen, für meine damaligen Begriffe peinliches Singen und Konzentration auf die einzelnen Körperteile. Ich fühlte mich in der ersten Unterrichtsstunde durch ihre Ruhe so angegriffen und eine Art Aggression stieg in mir auf. Ungeduldig auf dem Meditationskissen hin- und her schaukelnd bat ich leise, dass die gute Frau Raja endlich in die Gänge kommen sollte.

Diese innere Aggression wandelte sich aber dann ganz schnell in einen Erschöpfungszustand. Zugegeben, ich bin zum Yoga mit der doch etwas arroganten Meinung gegangen, dass diese Übungen ja gar nicht so schwer sein können. Zumindest sahen sie auf Bildern und in den Videos leicht ausführbar aus.

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Seit ich Yoga praktiziere bin ich entspannter … (Foto: Balkanblogger)

Mein erster Sonnengruß belehrte mich eines Besseren. Heute weiß ich, wie bescheuert ich beim „ersten Mal“ ausgesehen haben muss. Mein Arsch hing in der Luft und das Bein konnte ich auf gar keinen Fall zwischen meine beiden Hände schwingen. Ich blieb immer mit meinen Zehen hängen und der Hintern  wollte nicht so mitschwingen, wie ich wollte.  Gut, dass es bei Yoga in Übungsräumen keine Spiegel gibt wie in Tanzsälen. Und jetzt weiß ich auch warum: Spiegel würden ganz viele Schüler nach der ihrer ersten Stunde Yoga  zum Selbstmord treiben.

Schlimmer noch war der Schulterstand. Da bekam ich meinen Hintern gar nicht hoch und als er endlich dank der Lehrerin in der gewünschten Höhe war, drückte er die ganze Zeit nach unten und das Halten der Beine in der Luft war gar nicht möglich. Ich verließ die erste Stunde erschöpft und erledigt. Und ich war so müde, dass ich nicht einmal denken konnte: ‚Da geh ich nie wieder hin!‘ Raja hatte gewonnen und bescherte mit einen freien Kopf und eine glückliche Seele.

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… und treffe meine Entscheidungen nach dem Herzen (Foto: Balkanblogger)

Aus mir ist eine täglich Yoga-praktizierende Balkanesin geworden. Ich führe die einzelnen Übungen gerne zur Musik aus. Da gibt es natürlich eine große Auswahl an einheimischen Klängen. Doch ich habe was entdeckt, das mir sogar bei Yoga ein intensives Balkan-Feeling gibt: die Sevdah-Musik. Sie ist wie gemacht für diese Art von Entspannung. Was ist es doch schön, den Klängen und Worten der alten traditionellen Musik aus Bosnien zu lauschen und sich den Übungen und Meditation hin zu geben!

Man höre sich diese Musik an und möge in Shavasana verweilen:

 

Sevdah und Yoga – eine wunderbare Verbindung für den Balkan! Schon einige Yoga-Schulen haben in Balkan ihre Pforten geöffnet und werden immer frequenter besucht, von Jung und Alt. Denn Yoga kennt keine Religion. Yoga macht aus Dir einen Menschen, der mit sich im Reinen ist. Was wäre es doch fein, ein Gesetz auf dem Balkan zu verabschieden, Yoga als Pflichtfach in Kindergärten und Schulen einzuführen. Ich denke, damit würde man einen neuen Weg ebnen für eine Generation, die frei von Vorurteilen gegenüber anderen Religionen ist und für Frieden und Liebe in diesem wundervollen, aber immer noch vom Krieg gebeutelten Gebiet kämpfen würde!

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5 Antworten

  1. Sedina sagt:

    Die Idee Yoga & Sevdah zu verbinden, kann ich nur begrüßen, kann als „Open Up“ genutzt werden um die Intro von Yoga auf dem Balkan zu erleichtern ?

    Nachdem ich die Erfahrung machen mußte, dass in einigen Regionen des Ex-Yu der Buddhismus, Yoga als Sekte verteufelt werden. Natürlich nicht ganz ohne Eigennutz der dort vorherrschenden geistlichen Institutionen 😉 😉 Ist dieser Beitrag in dieser Art ein Segen.

    Völkerverständingung. Erfreulich 🙂 🙂

    We are the World 🙂 We are the future 🙂 tralal lala laa ..

  2. balkanblogger sagt:

    danke, liebe Sedina:

    anbei noch ein musikalischer Tipp für den Sonnengruß:

    Viel Spaß:-))

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