Zwetschgen-Marmelade kochen? Für eine Balkanesin Ehrensache!

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Ich hatte mein ganzes Leben lang keine Marmelade selbst gemacht. Wozu auch – ich wurde versorgt von meiner Mami mit ihren schon im Bekanntenkreis berühmten exquisiten Marmeladen und Gelees, und im Sommer, wenn ich in Bosnien und Kroatien meine Verwandte besuchte, wurde das Auto bei der Abreise mit lecker befüllten Einkochgläsern vollgepackt! Was liebte ich die Varianten Hagebutte, Rose und Zwetschge!

Nun ist Mami den Sommer über in Bosnien und sie kocht Marmelade nur noch für meinen Vater und sich selbst. Und jeden Sommer verbringe ich leider auch nicht mehr bei den Verwandten. Der Vorrat an selbstgemachten köstlichen Fruchtaufstrichen neigten sich dem Ende, bis sie gänzlich verschwanden. Keine gekaufte Marmelade konnte meine Geschmacksnerven befriedigen.

Mir blieb nichts anderes übrig, als mit meinen 37 Jahren selbst Marmelade kochen zu lernen. Meine Mutter zeigte mir, wie es geht, und nun fing ich an, selbst Varianten auszuprobieren.

Ich verbrachte einen Tag am Wochenende mit meiner Freundin, um verschieden Früchte der Saison beim Bauern zu pflücken und diese noch am selben Tag zu Brotaufstrichen zu verarbeiten. Süsskirsche, Sauerkirsche, Erdbeere, Süsskirsche-Heidelbeere – alle Varianten mit so wenig Zucker wie möglich, damit der Geschmack der Frucht besser den Gaumen entzücke!

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Doch eine Marmelade fehlte noch im Marmeladen-Keller-Regal: die berühmte Balkan-Zwetschgen-Variante! Bei uns ist sie auch unter dem Namen „Pekmez“ oder „Bestilj“ genannt. Ihr Markenzeichen: lange Kochzeit unter Verwendung von wenig Zucker. Das Ergebnis: ein wundervoller, vollmundiger Aufstrich, der gänzlich nur nach Frucht schmeckt!

Gut, dass ich diesen Sommer in Istrien verbracht hatte! Als wir zurück fuhren, wurde das Auto gemäß eines Balkanesen mit Obst, Gemüse und Spezialitäten der Region vollgestopft. Und mein deutscher Mann führt den Brauch meiner Familie mit Freude fort.

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Mit am Bord waren 3 kg feinster kroatischer sonnenverwöhnter Zwetschgen.

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Die Sonne des Südens schenkt den Früchten einen intensiveren Geschmack und einen hohen natürlichen Zuckergehalt, der sich in der Marmelade wieder erkennen lässt.

Ich entkernte die Zwetschgen, pürierte sie grob und mischte eine Packung Gelierzucker von Naturata (Rohrohrzucker und Apfelpektin) und zwei Esslöffel vom selbst gemachten Vanillezucker unter. Danach liess ich die Früchte etwa eine Stunde bei niedriger bis mittlerer Flamme kochen (man kann den Topf bis zu drei Stunden bei niedriger Flamme auf dem Herd lassen). Als die Masse dickflüssig genug war, fügte ich noch Zimt und 100 ml Limettensaft hinzu, liess alles noch einmal kurz aufköcheln und füllte sie heiss in mit warmen Wasser vorgewaschenen Gläser ab. Nachdem die Gläser verschlossen wurden, lagerte ich sie mit dem Kopf nach unten bis zum nächsten Morgen.

Diese Variante der Zwetschgen-Marmelade wird bei uns in Bosnien bevorzugt im Winter gegessen. Sie dient nicht nur als Brotaufstrich. Gerne wird sie als Füllung von Palatschinken (eine Art von Crèpe) oder Kartoffelknödel hergenommen, geschwenkt in einer Zucker-Zimt-Mischung und brauner Butter. Dazu trinkt man Tee aus Kräutern, die man selbst den Sommer über in den Bergen gesammelt hat. Aber das ist eine andere Geschichte.

Guten Apetit! Oder sagen wir es gleich auf der Landersprache: Prijatno!

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9 Antworten

  1. Sedina sagt:

    Sehr schöner Bericht. Gibt es auch ein Ajvar Rezept?

  2. Hi Sedina,
    das wird es nächstes Jahr geben, wenn ich ihn mit meinen Verwandten zubereiten werde:-)) Also, ich werde es versuchen, so gut wie es geht:-)) Bin gerade dabei, Pita-Teig zu erstellen! Ajajaj, eine Herausforderung ist das, sag ich Dir! Aber dazu bald mehr auf dem Blog;-)

  3. Sedina sagt:

    Hi Mirella,

    dann freue ich mich jetzt schon auf die anstehende Ajvar Aktion.

    Übrigens war ich auf der Suche nach einem Rezept für Pflaumen Marmelade bzw aromatischem Pekmez ;-)) und schwöre in der Winterzeit auf Pflaumentee, der sehr zu empfehlen ist nicht nur

    wegen der im Orient vorherrschenden Meinung: Nur ein wohlwollender Magen kann gute Entscheidungen treffen … sondern auch wegen des einzigartigen Aromas :-))) FlavorAddiction.

  4. Absolut! Ein weitere Tip von mir für eine aromatische Pflaumenmarmelade mit orientalischen Touch: Einfach Rosenwasser mit dazu geben: ein Genuß!!!

  5. Sedina sagt:

    da kommt Frau schon ins schwärmen…was ist so edel wie Rosenwasser?

    Erinnert ein wenig an Ägypter..;-) Rosenwasser ..

  6. Mmmmm. Ich wusste offen gestanden gar nicht, dass es diese Spezialität auch am Balkan gibt. Wir Österreicher haben uns das von den Tschechen ausgeborgt und nennen es folglich Powidl. Aber egal ob in dickflüssiger oder dünnflüssig-klarer Form: Die Zwetschke ist eine kulturelle Gemeinsamkeit, die wir ausgiebiger feiern sollten.

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