Damir Niksic und die bosnische Kultur: "…dann waren's nur noch fünf!"

Der bosnische Künstler Damir NiksicWie kann man eine Kultur langsam sterben lassen? Indem man sie durch Krieg schwächt, um ihr im richtigen Augenblick den Dolchstoß zu verpassen. Hat dummerweise bei Bosnien und Herzegowina während des Balkankrieges nicht geklappt. Das Land hat sich gegen den Feind gewährt. Es war schwer verwundet, doch letztendlich triumphierte es über dem Feind: ihr Geist und ihre Seele blieb am Leben.

Das Land hat seine Seele stolz ihren Mitbürgern und Gästen in kulturellen Einrichtungen und Events offenbart und erzählte seine lange und vielfältige Geschichte. Alles ging gut, bis der Feind wieder zuschlug. Dieses Mal saß der Feind in den eigenen Kreisen. In den pseudo-demokratischen Reihen finden sich Politiker, die nicht den Erhalt der Kultur anstreben, sondern diese als Klotz am Bein ansehen. Es lebe der Nationalismus, der in der Demokratie legal Kultur auslöschen kann, um sich kapitalistisch zu bereichern!!!

Drei von sieben wichtigsten Einrichtungen sind nun geschlossen worden. Der bosnische Künstler Damir Niksic führte heute vor dem Nationalmuseum von Sarajevo, das am 28.12.2011 nach fast 125 Jahren seine Pforten schloss, eine Performance aus. Er nahm sieben Eiswaffeln (symbolisch für die sieben wichtigsten kulturellen Einrichtungen des Landes) und befüllte sie jeweils mit einer Schneekugel. Das Motto: KULTURELLE EINRICHTUNGEN VON BOSNIEN UND HERZEGOWINA SCHMELZEN LANGSAM WEG WIE EISKUGELN! Besser hätte er die Problematik nicht beschreiben können.

Sein Statement zum Aussterben der bosnischen Kultur:

Kulturelle Einrichtungen schliessen selbst ihre Pforten aus Protest. Sie haben keine Existenzmöglichkeit aufgrund finanziellen Mangels. Sie werden nicht extern geschlossen, zumindest nicht direkt, sondern indirekt durch Hunger in die Knie gezwungen.

Doch es gibt eine Erklärung zu diesen Ereignissen. Unsere Geschichte ab Ende der 80-er bis Mitte der 90-er  Jahre des letzten Jahrhunderts ist tatsächlich zu vergleichen mit einem wilden freigelassenen Tier oder  einem entflohenen Virus aus der Quarantäne der Museen, geraten in Hände von „Experten“, die willig gegenüber den Medien sind, geraten in Hände von Historikern, Ideologen, verlogenen Menschen,  Pseudo-Experten, die aus ihr dieses machen wollen, was sie schon ist: ein Monster, das ihre Bürger verführt hat und die Bühne für blutigen Krieg nutzte.

Gerade diese Dimension der psychologischen Kriegsführung von angeblichen Historikern und ihrer weltanschaulichen, rassistischen Manipulation der geschichtlichen Vergangenheit  und aller Mitbürger des Landes, sprich ihrer Identität, Generierung der Vorherrschaft und historischer Schuld, schreit nach einem Skalpell zur Entmystifizierung und Entmagnetisierung von diesen ethischen Gedanken.

Die Museen dienen eigentlich für folgendes: sie sind Quarantäne und Institutionen, in denen die Geschichte wieder gewöhnlich und stur wird, das wissenschaftliches Material beinhaltet, keine ethnisch-nationalistische Einrichtung. Die Geschichte zieht sich aus den Medien und Politik zurück und hält sich von manipulativen und ungebildeten Menschen fern. Im Museum ist die Geschichte nicht ideologisch oder ein Instrument der Indoktrination. Sie wird zur ernstzunehmenden Wissenschaft. Meiner Meinung nach existieren lokale oder regionale Politiker und Ideologen, die bewusst oder unbewusst alle Spuren vom gesunden Menschenverstand und wissenschaftlichen Geist löschen, sowie Beweise des eigenen Irrtums entfernen möchten, indem sie diese Institutionen in Vergessenheit geraten lassen, marginalisieren und verniedlichen.

Ich kann nicht glauben, dass jemand, der gebildet ist, einen neuen bosnisch-herzegowinischen Staat schaffen konnte ohne einem starken Kultusministerium, welcher sowohl das mutierte Tier als auch die ideologische und ethnischen Gedanken wieder da weg sperren soll, wo sie hingehören: in einem sterilisierten Raum eines Museums, um neuen Platz  für Medienfreiheit zu schaffen – und  einer neuen modernen Kunst und Kultur des heutigen Bosnien und Herzegowina, eines europäischen Landes des 21. Jahrhunderts.

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